Historie trifft gelebten Artenschutz

Alpensteinbock Auswilderung 2026

Alpensteinböcke laufen durch hohes Gras den Berghang hinauf | © Zoo Salzburg / Mario Katzinger

Er ziert die Wand des Verwaltungsgebäudes und das alte Eingangstor. Besucherinnen und Besucher begegnen ihm am Vorplatz des Haupteingangs in Form einer Skulptur und der zweite Eingang am Rande des Hellbrunner Parks trägt seinen Namen. Somit ist es offensichtlich: Der Alpensteinbock und der Zoo Salzburg sind untrennbar miteinander verbunden, und das nicht erst seit der offiziellen Gründung vor 65 Jahren. Vielmehr wird die imposante Wildziegenart mit den beeindruckenden Hörnern am Fuße des Hellbrunner Bergs seit jeher gehalten. Zudem zierte der Alpensteinbock das Wappen des Erzbischofs Markus Sittikus, Graf von Hohenems (1574 – 1619). Dieser ließ nicht nur das Schloss Hellbrunn erbauen, sondern in den Jahren 1616 bis 1618 auch Steinwild für den dazugehörigen Tiergarten einfangen, wie in einem im Februar 2022 in den Salzburger Nachrichten erschienenen Artikel mit dem Titel „Das Rätsel um den Tod der letzten Steinböcke“ zu lesen ist. Ende des 17. Jahrhunderts habe es im gesamten Ostalpenraum nur noch die Population im hinteren Zillertal gegeben, die Anfang des 18. Jahrhunderts ebenfalls verschwunden war. Zuvor stellte das Steinwild über Jahrtausende eine begehrte Jagdbeute für den Menschen dar, dem außerdem eine Art Schutz- und Heilwirkung zugeschrieben wurde.

So befand sich der Alpensteinbock um das Jahr 1800 am Rande der Ausrottung. Die heutige Population von über 50.000 Tieren lässt sich ausnahmslos auf die etwa 100 zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Gebiet des Gran Paradiso im Aostatal übrig gebliebenen Steinböcke zurückführen. Von jener letzten Population in den italienischen Westalpen gelangten Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Tiere in die Schweiz, wo mit der Nachzucht sowie der gezielten Wiederauswilderung in ausgewählten Gebieten der Ostalpen begonnen wurde. Diese wohl geplanten Auswilderungsaktionen dauern bis heute an und der Zoo Salzburg beteiligte sich in den Jahren 2022 (sechs Tiere), 2023 (drei Tiere), 2024 (vier Tiere) sowie Ende Juli 2026 mit vier männlichen Tieren daran. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten wilderte der Zoo Salzburg insgesamt sogar an die 50 Alpensteinböcke aus. Organisiert wurde die diesjährige Aktion, bei der zudem drei Geißen aus der Stuttgarter Wilhelma, zwei aus dem Zoo Ljubljana und eine aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn in die Natur entlassen wurden, erneut von dem freiberuflichen Wildökologen und Forstingenieur Martin Forstner. Allerdings war der Auswilderungsort im Naturpark Sölktäler weniger abgelegen, sodass die Tiere nicht per Helikopter transportiert werden mussten, sondern im Transporter bis ans Ziel gefahren werden konnten.

Für den Zoo Salzburg ist die Auswilderung der zwei einjährigen und zwei zweijährigen Steinböcke mehr als gelebter Artenschutz, denn sie drückt gleichzeitig die über Jahrhunderte andauernde Verbindung zu diesen Tieren aus.

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