WildtieraUFnahme eines Pirols

Glück im Unglück

Manchmal gibt es im Zoo tierische Geschichten, die zwar im Verborgenen geschehen, es aber unbedingt wert sind, erzählt zu werden. Eine dieser Geschichten handelt von einem verletzten Pirol.

Dieser hübsche Singvogel mit dem auffallend gelben Gefieder ist zwar grundsätzlich nicht selten, kommt im urbanen Lebensraum aber selten vor. Womöglich haben die Finder auch nicht schlecht gestaunt, als sie den offensichtlich flugunfähigen Vogel in hilfloser Situation auf ihrem Balkon entdeckten. Zum Glück für den Zugvogel, der seine Winter in den waldreichen Regionen und Hochländern des östlichen bis südlichen Afrikas verbringt, handelten sie schnell, nahmen zu uns Kontakt auf und übergaben den kleinen Patienten in unsere Obhut.

Im Zoo angekommen wurde der Pirol, der seine Reise in den Süden normalerweise im Juli oder August antritt, von unserer Tierärztin in der zooeigenen Praxis untersucht. Als Ursache für die Flugunfähigkeit und seine Schwierigkeiten aufrecht zu sitzen, vermutete sie ein Anflugtrauma, bei dem die Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen wurde. Da er ansonsten alles andere als lethargisch wirkte und sich vielmehr lautstark beschwerte, wollten wir den Singvogel keineswegs aufgeben. So kontaktierte unsere Veterinärin die Kollegen des Alpenzoos Innsbruck. Dort befinden sich Pirole in der Haltung und zudem verfügt der Zoo über eine Wildtierauffangstation. Auf ihrer Erfahrung basierend rieten sie uns, es auf jeden Fall zu versuchen, denn eine Chance auf Regeneration sei durchaus möglich. Außerdem boten sie ihre konkrete Hilfe an, indem sie den kleinen Patienten bei sich aufnehmen würden. Mit dieser nicht geringen Portion Hoffnung im Gepäck, nahm sich zunächst eine unserer erfahrenen Tierpflegerinnen dem verletzten Tier an.

Denn bevor ein Transport möglich wäre, sollte sich der Zustand des gelbgefiederten Gasts verbessert haben. Bereits nach vier Tagen konnte die Kollegin eine Verbesserung der Nahrungsaufnahme feststellen und auch der Allgemeinzustand schien sich zu stabilisieren. So wurde ihr vorübergehender Schützling bereits am fünften Tag von der Tierpflegerin selbst nach Innsbruck gefahren und dort den Tiroler Kollegen übergeben. Eine nähere Untersuchung ergab, dass es sich um ein weibliches Tier handelt, das etwas älter als ein Jahr sein dürfte. Über die genauen Verletzungen konnte man noch keine Auskunft geben. Jedoch seien die Chancen auf eine vollständige Genesung absolut gegeben. Es könne allerdings eine gute Weile in Anspruch nehmen. Die Zeit wird dem hübschen Singvogel natürlich gerne gegeben und falls eine Regeneration nicht vollständig gegeben sein sollte, besteht immer noch die Möglichkeit, ein schönes Leben in menschlicher Obhut zu führen. Das nennt man dann wohl Glück im Unglück.

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